Änderungen in der Lehrkräfteausbildung

Personalräte der Studienseminare in Hessen

Personalräte der Studienseminare in Hessen im November 2025

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir möchten Sie heute über geplante Änderungen in der Lehrkräfteausbildung durch das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB, ehemals HKM) informieren – und um Ihre Unterstützung bitten.
Ausgangspunkt dieser Maßnahmen ist eine im Frühjahr vom HMKB beauftragte Studie der Prognos AG, an der alle Mitarbeitenden der Hessischen Lehrkräfteakademie verpflichtend teilnehmen mussten. Die Presse hat bereits mehrfach darüber berichtet.
Nach unserer Einschätzung als Personalräte der hessischen Studienseminare weist diese Studie erhebliche methodische Mängel auf und ist kaum repräsentativ. Trotzdem zieht das Ministerium daraus weitreichende Konsequenzen – mit gravierenden Einschnitten in der zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung.
 

Geplante Kürzungen der Ausbildungsbedingungen
 

1. Faktorenkürzung ab dem 01.02.2026
 

  • Der Faktor beschreibt, wie viel Zeit den Ausbildungskräften am Studienseminar pro LiV (Lehrkraft im Vorbereitungsdienst) für Ausbildung und Betreuung zur Verfügung stehen.
  • Aktuell beträgt der Faktor 4,9 Stunden. Er soll auf 4,3 Stunden sinken.
  • Diese Reduzierung bedeutet zwangsläufig weniger Betreuungszeit durch Ausbildungskräfte pro LiV, also eine deutliche Verschlechterung der Ausbildungsqualität.
  • Eine solche Kürzung lässt sich organisatorisch kaum umsetzen. Schon jetzt sind Raum- und Terminengpässe an den Seminaren groß.
  • Weniger Betreuungszeit durch die Ausbildungskräfte erhöht das Risiko von Ausbildungsabbrüchen und geringeren Erfolgsquoten.
  • Zusätzlich wird befürchten, dass nach der geplanten Verkürzung des Vorbereitungsdienstes auch der Faktor weiter sinkt.

2. Verkürzung des Vorbereitungsdienstes von 21 auf 18 Monate
 

  • Das Ministerium erwägt dafür die Einführungs- oder Prüfungsphase zu streichen – also die ersten oder letzten drei Monate.
  • Diese Maßnahme erhöht das Risiko eines „Praxisschocks“ zu Beginn des Vorbereitungsdienstes. LiV müssten mit Schuljahresbeginn sofort eigenverantwortlich unterrichten, ohne ausreichende Vorbereitung.
  • Der Vergleich des HMKB mit anderen Bundesländern hinkt: Dort sind häufig längere Praxisphasen ins Studium integriert, die die Verkürzung ausgleichen.
  • In Hessen wäre das nicht der Fall – die Ausbildung würde real verkürzt, nicht verlagert.

Konkrete Folgen
Eine Ausbildungskraft müsste künftig:
 

  • mehr LiV gleichzeitig betreuen,
  • mehr Ausbildungsseminare leiten oder
  • zusätzlichen Unterricht an Ausbildungsschulen übernehmen.
     

Das verringert zwangsläufig die Zahl der möglichen Unterrichtsbesuchstermine. Hauptamtliche Ausbildende müssten häufiger vom Unterricht freigestellt werden – und stünden den Schulen damit weniger zur Verfügung.
Die Kürzung der Ausbildungszeit sowie der Wegfall von Einführungs- oder Prüfungsphasen verschlechtern die Qualität der Ausbildung spürbar. Das führt zu mehr Prüfungsabbrüchen und weniger qualifizierten Lehrkräften für Hessen.
 

Was Sie tun können
Wenn Sie diese geplanten Veränderungen ebenfalls kritisch sehen, unterstützen Sie bitte die beigefügte Petition. Gemeinsam können wir Öffentlichkeit schaffen und unser Anliegen deutlich machen:

https://hessischer-landtag.de/formular-online-petition
 

Nur gut ausgebildete Lehrkräfte sichern nachhaltiges Lernen und Bildungsgerechtigkeit in Hessen.
 

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine aktuelle Studie aus Bayern („Gutachten zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern – Lehrkräftebildung für das 21. Jahrhundert“), auf Grundlage derer ein Positionspapier entwickelt wurde, welches hier abrufbar ist:
 

Zudem sind angehende Lehrkräfte jetzt schon stark überlastet!
 

Hierzu hat die GEW Hessen neue Zahlen vorgestellt, die zeigen, dass eine Verkürzung des Vorbereitungsdienstes fatale Folgen haben könnte. Eine Pressemitteilung finden Sie hier:
Vielen Dank für die Unterstützung!
Es grüßen die Personalräte der Studienseminare in Hessen