Newsletter vom 01.11.2025
übernommen aus dem Newsletter des Erhard-Eppler-Kreis vom 01.11.2025
Der Politthriller A House of Dynamite führt seit seinem Netflix-Start am 24. Oktober 2025 die weltweiten Netflix-Filmcharts an und erreichte unmittelbar nach der Veröffentlichung in 39 Ländern Platz 1 – darunter die USA und nahezu alle westlichen Staaten. Der Film erzählt von der Entdeckung einer atomaren Rakete, die auf die USA zufliegt, und vom verzweifelten Wettlauf von Regierung und Militär gegen die Zeit, um einen potenziellen Nuklearkrieg zu verhindern. Regie führte Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow nach einem Drehbuch von Noah Oppenheim. Zu den Hauptdarstellern zählen Idris Elba als US-Präsident sowie Rebecca Ferguson und John Cho als Schlüsselfiguren im Krisenstab.Die Kritik an der „Hollywood-Fiktion“ ließ aus dem Pentagon nicht lange auf sich warten, und die öffentlich-rechtlichen Anstalten sowie die bekannten westlichen Leitmedien überschlagen sich bereits mit scharfen Einsprüchen, die sich wie folgt darstellen: Der Film sei unrealistisch, voller logischer Irrtümer und technischer Fehler. Es sei gar nicht möglich, dass man den genauen Ursprungsort einer gestarteten Rakete übersehe (MDA, Missile Defense Agency) Das Verfehlen einer Langstreckenrakete durch US-amerikanische Abfangsysteme wie das Ground-based Midcourse Defense (GMD) wird von der MDA mit 0 % beziffert; anderslautende Behauptungen seien frei erfunden „Sicherheitsexperten“ wie Ivan Zaccagnini (Center for Security Studies) kommen sogar zu dem Ergebnis, dass gezielt falsche Angaben gemacht wurden, um dramatische Elemente einzubauen (SRF) Von diesen „seriösen“ Quellen unerwähnt bleibt stets der zentrale Aspekt des Films: die Dramatik der kurzen Dauer, die vom Start bis zum Einschlag einer Langstreckenrakete vergeht – nämlich 19 Minuten. Hier knüpft ein wesentlicher Punkt der Präsentation von Oberst a. D. Richter beim Erhard-Eppler-Kreis am 7. Oktober an: die Beschreibung des Präemptionsdrucks.Im militärischen Kontext bezeichnet der Präemptionsdruck den Zwang, einen potenziellen Gegner präventiv anzugreifen, bevor dieser selbst angreifen kann. Er entsteht, wenn eine Situation so eingeschätzt wird, dass Zögern eigene Verwundbarkeit oder strategische Nachteile erzeugen würde. Es handelt sich also um den Handlungsdruck zur Präemption – zum präventiven Erstschlag.Und mit diesem Stichwort kommen wir zu unserer bundesrepublikanischen Realität. Oberst a. D. Richter beschreibt in derselben Präsentation die Diskussion, die in Deutschland tatsächlich stattfindet – nämlich, dass im Bundesministerium über den Ersteinsatz gegen russische Raketen nachgedacht wird (Seite 11, Zusammenfassung der Präsentation). Von dort stammt auch die Metapher, es sei besser, den Bogenschützen abzuschießen, als den Pfeil, wenn er bereits in der Luft ist. Offenbar glaubt man dort nicht an die hundertprozentige Trefferwahrscheinlichkeit, wie sie von der MDA vehement propagiert wird.Wir befinden uns demnach in der fatalen Situation, dass nicht nur an der Verkürzung der Einschlagszeiten auf strategische Ziele gearbeitet wird, sondern gleichzeitig über die vermeintlich zwingende Einführung einer Erstschlagsfähigkeit nachgedacht wird. Man könnte jedoch auch zu einer anderen Schlussfolgerung gelangen – nämlich, dass durch immer kürzere und stärker automatisierte Entscheidungsprozesse die Fehleranfälligkeit dramatisch zunimmt und damit auch das Risiko eines Atomkriegs aus Versehen.Der Erhard-Eppler-Kreis hat bereits zwei Podcasts zu diesem Thema mit Professor Karl Hans Bläsius veröffentlicht, die auf YouTube angesehen werden können. Ein abschließender dritter Teil folgt noch. Wer unseren Kanal abonniert, wird sogar benachrichtigt, sobald der Podcast erscheint.Die immer kürzer werdenden Eskalationsszenarien und Entscheidungsautomatisierungen haben auch viel mit Künstlicher Intelligenz zu tun. Der Erhard-Eppler-Kreis wird sich deswegen zunehmend dem Thema KI widmen und empfiehlt jetzt schon ein Buch „Künstliche Intelligenz und Wir“, dass kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt wurde und unter anderem mit Beiträgen von Julian Nida-Rümelin, Karl Hans Bläsius und vielen anderen namhaften Forschern.Wir aktualisieren unsere Webseite regelmäßig – folge zum Beispiel unserem Pressespiegel! Hier ein Auszug aus den neuesten Beiträgen: IPG-Journal: Rolf Mützenich: Das neue nukleare Zeitalter (27. Oktober 2025) Berliner Zeitung: Reiner Braun & Michael Müller: Wir waren selten so nah an einem großen Krieg (17. Oktober 2025) Makroskop: Wird Russland uns angreifen oder sind wir schon „im Krieg“, Herr Richter? (15. Oktober 2025) Und wie immer finden sich weitergehende Informationen auch in Bluesky, auf LinkedIn, dem Blog der Republik oder auf anderen Webseiten, denen wir folgen: Willy-Brandt-Kreis, Entspannungspolitik Jetzt!, Mehr Diplomatie wagen, Atomkrieg aus Versehen, Wiesbadener Bündnis, Bund für Soziale Verteidigung, Johannes-Rau-Gesellschaft, Nie wieder Krieg, DL21.
Der Politthriller A House of Dynamite führt seit seinem Netflix-Start am 24. Oktober 2025 die weltweiten Netflix-Filmcharts an und erreichte unmittelbar nach der Veröffentlichung in 39 Ländern Platz 1 – darunter die USA und nahezu alle westlichen Staaten. Der Film erzählt von der Entdeckung einer atomaren Rakete, die auf die USA zufliegt, und vom verzweifelten Wettlauf von Regierung und Militär gegen die Zeit, um einen potenziellen Nuklearkrieg zu verhindern. Regie führte Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow nach einem Drehbuch von Noah Oppenheim. Zu den Hauptdarstellern zählen Idris Elba als US-Präsident sowie Rebecca Ferguson und John Cho als Schlüsselfiguren im Krisenstab.Die Kritik an der „Hollywood-Fiktion“ ließ aus dem Pentagon nicht lange auf sich warten, und die öffentlich-rechtlichen Anstalten sowie die bekannten westlichen Leitmedien überschlagen sich bereits mit scharfen Einsprüchen, die sich wie folgt darstellen: Der Film sei unrealistisch, voller logischer Irrtümer und technischer Fehler.
Von diesen „seriösen“ Quellen unerwähnt bleibt stets der zentrale Aspekt des Films: die Dramatik der kurzen Dauer, die vom Start bis zum Einschlag einer Langstreckenrakete vergeht – nämlich 19 Minuten. Hier knüpft ein wesentlicher Punkt der Präsentation von Oberst a. D. Richter beim Erhard-Eppler-Kreis am 7. Oktober an: die Beschreibung des Präemptionsdrucks.Im militärischen Kontext bezeichnet der Präemptionsdruck den Zwang, einen potenziellen Gegner präventiv anzugreifen, bevor dieser selbst angreifen kann. Er entsteht, wenn eine Situation so eingeschätzt wird, dass Zögern eigene Verwundbarkeit oder strategische Nachteile erzeugen würde. Es handelt sich also um den Handlungsdruck zur Präemption – zum präventiven Erstschlag.Und mit diesem Stichwort kommen wir zu unserer bundesrepublikanischen Realität. Oberst a. D. Richter beschreibt in derselben Präsentation die Diskussion, die in Deutschland tatsächlich stattfindet – nämlich, dass im Bundesministerium über den Ersteinsatz gegen russische Raketen nachgedacht wird (Seite 11, Zusammenfassung der Präsentation). Von dort stammt auch die Metapher, es sei besser, den Bogenschützen abzuschießen, als den Pfeil, wenn er bereits in der Luft ist. Offenbar glaubt man dort nicht an die hundertprozentige Trefferwahrscheinlichkeit, wie sie von der MDA vehement propagiert wird.Wir befinden uns demnach in der fatalen Situation, dass nicht nur an der Verkürzung der Einschlagszeiten auf strategische Ziele gearbeitet wird, sondern gleichzeitig über die vermeintlich zwingende Einführung einer Erstschlagsfähigkeit nachgedacht wird. Man könnte jedoch auch zu einer anderen Schlussfolgerung gelangen – nämlich, dass durch immer kürzere und stärker automatisierte Entscheidungsprozesse die Fehleranfälligkeit dramatisch zunimmt und damit auch das Risiko eines Atomkriegs aus Versehen.Der Erhard-Eppler-Kreis hat bereits zwei Podcasts zu diesem Thema mit Professor Karl Hans Bläsius veröffentlicht, die auf YouTube angesehen werden können. Ein abschließender dritter Teil folgt noch. Wer unseren Kanal abonniert, wird sogar benachrichtigt, sobald der Podcast erscheint.Die immer kürzer werdenden Eskalationsszenarien und Entscheidungsautomatisierungen haben auch viel mit Künstlicher Intelligenz zu tun. Der Erhard-Eppler-Kreis wird sich deswegen zunehmend dem Thema KI widmen und empfiehlt jetzt schon ein Buch „Künstliche Intelligenz und Wir“, dass kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt wurde und unter anderem mit Beiträgen von Julian Nida-Rümelin, Karl Hans Bläsius und vielen anderen namhaften Forschern.Wir aktualisieren unsere Webseite regelmäßig – folge zum Beispiel unserem Pressespiegel! Hier ein Auszug aus den neuesten Beiträgen:
Und wie immer finden sich weitergehende Informationen auch in Bluesky, auf LinkedIn, dem Blog der Republik oder auf anderen Webseiten, denen wir folgen: Willy-Brandt-Kreis, Entspannungspolitik Jetzt!, Mehr Diplomatie wagen, Atomkrieg aus Versehen, Wiesbadener Bündnis, Bund für Soziale Verteidigung, Johannes-Rau-Gesellschaft, Nie wieder Krieg, DL21.