Newsletter 2 – 2022

In den Sommerferien und an langen Winterabenden denken viele Menschen über Leben und Arbeit nach. Schöne Urlaubsorte nähren bei nicht wenigen Kolleginnen und Kollegen den Wunsch, dem Leben einen Kick zu geben, eine Auszeit zu nehmen. Das deutsche Auslandsschulwesen mit seinen knapp 140 Deutschen Schulen im Ausland und weiteren Stellen an nationalen Schulen bietet sich da an. Der dienstliche Weg ins Ausland ist jedoch nicht einfach.

Die Themen

  1. BLASCHA – Gespräch im HKM
  2. Beförderungen im Auslandsschuldienst
  3. Deutsche Schule São Paulo – Berufliche Bildung
  4. Europäische Schulen (ES) – Mangelnde Transparenz und Konflikte
  5. Beratung und Betreuung von Lehrkräften vor, während und nach dem Auslandsschuldienst
  6. Kurz notiert:
    Auslandskrankenversicherung
    Umzugscontainer
    Wartezeiten zwischen Erst- und Zweitvermittlung
    Chancen für Grundschullehrkräfte
    Warteliste in Frankfurt
  7. Veranstaltungen:

Didacta 2023 – BV Südhessen organisiert eine kostenlose Fahrt zur Bildungsmesse

AGAL-Tagung in Mariaspring bei Göttingen

Im Ausland unterrichten - Lea

 

  1. BLASCHA – Gespräch im HKM

Kurz vor den Sommerferien habe ich mich mit Frau Alexandra Brodowy und Frau Christine Berg im hessischen Kultusministerium getroffen, um über Belange des Auslandsschulwesens zu sprechen. Frau Brodowy (vormals Lehrerin an der Schiller-Schule Frankfurt) hat die Nachfolge von Herrn Rolf Knieling angetreten, der über viele Jahre für die hessischen Lehrkräfte im Ausland zuständig war und Hessen im Bund-Länder-Ausschuss (BLASCHA) vertreten hat. Der BLASCHA setzt sich zusammen aus der vom Auswärtigen Amt (AA) beauftragten Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und dem Sekretariat der KMK. Schule ist Ländersache. Deshalb nimmt das Sekretariat der KMK mittels ihrer BLASCHA-Vertreter:innen in diesem Bereich auch die internationalen Aufgaben der einzelnen Bundesländer wahr, vornehmlich die Bewertung ausländischer Bildungsnachweise. Frau Brodowy zur Seite steht Christine Berg, die sich seit vielen Jahren mit den rechtlichen und organisatorischen Belangen des Auslandsschuldienstes beschäftigt. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand der Wunsch, die gute Zusammenarbeit in allen Fragen des Auslandsschulwesens zwischen AGAL/GEW und dem HKM fortzusetzen.

  1. Beförderungen im Auslandsschuldienst

Wer ins Ausland geht, ist erst einmal fort. So sehen es die Schulämter und Schulbehörden der Länder, womit diese Kolleginnen und Kollegen folgerichtig auch nicht für A-14 Stellen in Frage kommen. Das ist nach wie vor Praxis in vielen Bundesländern. In Hessen haben die BLASCHA-Vertreter:innen bereits vor zwanzig Jahren einzelne engagierte Lehrkräfte nach frühestens zwei Jahren erfolgreicher Tätigkeit im Ausland zur Beförderung zugelassen. Die A-14 Stelle wurde dem jährlichen Pool des Schulamts, aus dem die Lehrkraft kam, entnommen. Das führte nicht selten zu Konflikten mit örtlichen Schulämtern. Seit 2008 werden daher 10 Stellen im Amtsblatt für Auslandslehrkräfte ausgeschrieben. Infrage kommende Kolleginnen und Kollegen können sich bewerben, nicht in Anspruch genommene Angebote gehen zurück. Diese Form der Wertschätzung des Auslandseinsatzes gab es über viele Jahre nur in Hessen, seit ein paar Jahren befördert auch Schleswig-Holstein nach A-14, jährlich werden dort 2 Stellen ausgeschrieben. Frau Brodowy und Frau Berg haben im o.g. Gespräch jedoch noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es neben den oben genannten Kriterien genaue Vorschriften gibt. Im Wortlaut:

„Das Hessische Kultusministerium stellt unter der Voraussetzung der Verfügbarkeit ein Kontingent an Beförderungsstellen für im Ausland tätige hessische Studienrätinnen und Studienräte bereit. Damit besteht auch während Ihres Einsatzes im Ausland die Möglichkeit, als Studienrätin bzw. Studienrat in ein Beförderungsverfahren einbezogen zu werden. Eine Ausschreibung erfolgt einmal jährlich i. d. R. im Juni oder Juli im Amtsblatt des Hessischen Kultusministeriums. Der Beförderungstermin ist der Monat April des Folgejahres. Nähere Informationen zu Beförderungsmöglichkeiten können Sie dem „Beförderungserlass“ des Hessischen Kultusministeriums entnehmen (veröffentlicht im Amtsblatt des Hessischen Kultusministeriums ABl. 8/13). Name: „Auslandschuldienst und Entwicklungsdienst; hier:  Mein Erlass vom 19. September 2008,Az.: I.1 VA – 051.025.001 -8- zur Beförderung von Studienrätinnen zu Oberstudienrätinnen und Studienräten zu Oberstudienräten, die an von der Bundesrepublik Deutschland geförderte Auslandsschulen sowie an Europäische Schulen von der Zentral-stelle für das Auslandsschulwesen vermittelt wurden bzw. als Fach-beraterinnen/Koordinatorinnen und Fachberater/Koordinatoren im Ausland tätig sind - Erlass vom 19.Juli 2013 III.5 – 910.000.009 -12-“ wichtig unter Voraussetzungen der Punkt 5. Die Anzahl der zu besetzenden Beförderungsstellen wird proportional zu den im jeweiligen Schuljahr in Hessen – aufgrund des jährlich verabschiedeten Haushaltsplans und in Abstimmung zur „Zentralstelle Personalmanagement Lehrkräfte“ am Staatlichen Schulamt für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt – zur Verfügung stehenden A14-Stellen bestimmt. Beförderungen für Lehrkräfte an BW-Schulen sind nicht möglich, da diese Lehrkräfte entsandte Lehrkräfte des jeweiligen hess. Schulamts sind. OLKs sind komplett ausgeschlossen, da sie für die Zeit ihres Auslandseinsatzes (auf eigenen Wunsch) beurlaubt sind.“

  1. Deutsche Schule São Paulo – Berufliche Bildung

Mit knapp 10.000 Schülerinnen und Schülern ist die DS São Paulo – Collegio Humboldt die weltweit größte deutsche Schule. Die Schule, die sich über 5 Standorte im Bundesstaat São Paulo verteilt, wurde 1878 von deutschen Aussiedlern gegründet. Neben den allgemeinen Schulformen von Grundschule bis gymnasialer Oberstufe bietet diese Schule auch eine Duale

Berufsausbildung an. Sie wird geleitet von Jan Detmering.
Nähere Informationen auf der diesbezüglichen Homepage: https://humboldt.com.br/de/duale-berufsausbildung/unser-team-6/

  1. Europäische Schulen (ES) – Mangelnde Transparenz und Konflikte

Nur innerhalb der EU sind in 9 Ländern nationale Lehrkräfte aus allen EU-Mitgliedsländern tätig. Die Verwaltung dieser 21 anerkannten Europäischen Schulen erfolgt über das Büro Schola Europaea in Brüssel. Allein in der Hauptstadt der EU gibt es 4 Europäische Schulen, Brüssel 1, 2, 3 und 4. Die weiteren Standorte befinden sich in Städten mit europäischen Dienststellen, wie z.B. Luxemburg, Straßburg, Frankfurt, München und Karlsruhe, um nur einige der 17 weiteren Städte zu nennen. Alljährlich verfasst der Generalsekretär der Schola Europaea einen Bericht mit den aktuellen Zahlen: https://www.eursc.eu/Documents/2021-09-D-74-de-1.pdf.

Das Gehalt der Lehrkräfte ist einheitlich, was angesichts der großen Unterschiede in Europa auch begrüßenswert ist. Dafür sorgt das Statut 49, 1-3. Es orientiert sich am Lehrergehalt in Luxemburg. Demnach setzt sich das ES-Gehalt zusammen aus dem nationalen Gehalt, das weiterläuft, und den EU-Zulagen. Für Kolleg:innen aus Ungarn mit einem nationalen Gehalt in Höhe von ca. 600 Euro monatlich oder Lehrkräften aus Rumänien mit ca. 100 Euro monatlich ist ein solches Arbeitsverhältnis wie ein Lottogewinn. Die Verweildauer beträgt maximal 9 Jahre. Am Ende der Dienstzeit erhalten die Lehrkräfte ein Abgangsgeld, das sicherstellen soll, dass sich bei Lehrkräften aus Ländern mit schwachen Sozialsystemen (Südeuropa und MOE) keine zu großen Einschnitte beim Ruhegeld ergeben. Es berechnet  sich, wie folgt: Die Differenz zwischen ES-Gehalt und nationalem Gehalt multipliziert mit 1,6. Die sich daraus ergebene Summe wird mit der Anzahl der geleisteten Jahre multipliziert und ergibt die Höhe des Abgangsgelds. Diese sowie weitere Zulagen sind nur schwer nachzuvollziehen und sorgen in den Kollegien für Unmut. Siehe dazu einen Artikel der GEW vom 9.02.2021: Deutsche Lehrkräfte fühlen sich benachteiligt (gew.de)

Die Corona-Sonderzahlung, die folglich auch den deutschen Lehrer:innen an den ES aus ihren Bundesländern mit dem Monatsgehalt aufs Konto überwiesen wurde, zog die o.g. EU-Behörde ihnen jedoch im folgenden Monat durch Kürzung der EU-Zulagen (nach Statut 49) um diesen Betrag in Höhe von 1300 Euro (resp. 1000 Euro Hessen) wieder ab. Besonders an der ES Brüssel 2 und der ES München regte sich Widerstand, jedoch ohne Erfolg. In der Tat ist es schwer nachzuvollziehen, warum diese nationale einmalige Sonderzahlung unter Bezug auf Statut 49 vom Sekretariat der Schola Europaea einkassiert wurde. Bei knapp 200 deutschen Lehrkräften kommen da rund 260.000 Euro zusammen. Es stellte sich die Frage, ob diese Gelder an die einzelnen Bundesländer zurückerstattet worden sind.

  1. Beratung und Betreuung von Lehrkräften vor, während und nach dem Auslandsschuldienst

Der Bezirksverband der GEW Südhessen hat für die GEW-Mitglieder eine Beratung zum Auslandsschuldienst eingerichtet. Die Termine sind im Newsletter 1 – 2022 abgedruckt. Bis zu den Herbstferien stehen die folgenden Termine zur Verfügung:


07. 09.22
21. 09.22
05. 10. 22.

 

Die Termine finden von 15.00 bis 18.00 Uhr im GEW-Büro in Darmstadt statt. Ich bitte um telefonische Anmeldung unter (siehe auch Homepage): 06151-22311. Fragen, Probleme, Hinweise und Verbesserungsvorschläge gerne an folgende Email: ghfecht@yahoo.de.

 

  1. Kurz notiert

In dieser Rubrik sind einzelne Punkte und Themen angeschnitten, die in der Regel kurz geklärt werden können. Häufig gehen sie auf Email- oder telefonische Anfragen von Kolleginnen und Kollegen zurück.

Auslandskrankenversicherung

Auslandslehrkräfte, mit Ausnahme der Landesprogrammlehrkräfte, benötigen nach ihrer Versetzung (ADLK) oder Beurlaubung (OLK) eine Versicherung im Ausland. Die GEW hat 2017 mit der Union Krankenversicherung (UKV) einen Gruppenvertrag für eine Auslandskrankenversicherung zum Tarif GesundheitGlobal Premium ausgehandelt, der nur für GEW-Mitglieder gilt und vergleichsweise sehr attraktiv ist: Bestens im Ausland krankenversichert sein (gew.de)

Umzugscontainer

Aufgrund der Coronakrise stauen sich nicht nur vor Hamburg, sondern weltweit, die Container. Die Preise für einen Umzugscontainer sind in die Höhe geschossen, haben sich nahezu verdoppelt. Ein Kollege der DS Lima wies mich während der Didacta in Köln darauf hin, dass es für neue Auslandslehrkräfte nahezu unmöglich sei, überhaupt einen zu bestellen. Die ZfA hat sich dazu bis dato noch nicht geäußert. Meine Empfehlung: Möblierte Wohnungen mieten oder mit der Umzugspauschale der ZfA notwendige Einrichtungsgegenstände vor Ort kaufen.

Wartezeiten zwischen Erst- und Zweitvermittlung

Die meisten Rückkehrer:innen möchten möglichst umgehend wieder eine Stelle im Auslandsschuldienst antreten. Das geht nicht! Eine Wartezeit von 3 Jahren ist einzuhalten. Denn: „Eine Unterrichtstätigkeit im Ausland stellt eine attraktive Gelegenheit für Lehrkräfte dar, ihre deutschen Unterrichtserfahrungen in andere Bildungssysteme einzubringen und umgekehrt, gute Erfahrungen aus anderen Bildungssystemen nach Deutschland zu transportieren.“ (BLASCHA BaWü) Ferner sollten auch Erstbewerber:innen eine Chance erhalten, da die Zahl der Bewerber:innen insgesamt die Zahl der Vermittelten deutlich übersteigt.

Chancen für Grundschullehrkräfte

In den letzten Jahren sind immer mehr Deutsche Schulen im Ausland dazu übergegangen, eigene Grundschulen aufzubauen, um Eltern und Schüler:innen an die Schule zu binden. Die Chancen für Grundschullehrkräfte steigen damit. Besonders an den Europäischen Schulen! Hier hat es im letzten Jahre 25 Stellenangebote gegeben. Diesem Trend entgegen steht jedoch der seit 2015 zunehmende Mangel an Grundschullehrkräften in Deutschland. Prof. Klaus Klemm wies bereits in der E&W vom Nov. 2017 darauf hin, dass bundesweit bis 2025 rund 24.000 Lehrkräfte fehlten: KMK hat keinen Plan.php (gew.de). Tendenz weiter steigend, wie aus der diesjährigen „Lehrerbedarfsprognose“ der KMK hervorgeht: Dok_221_Bericht_LEB_LEA_2019.pdf (kmk.org)

Warteliste in Frankfurt

Lehrkräfte aus Frankfurt beklagen seit Jahren die Probleme bei der Freistellung für den Auslandsschuldienst. Auf dem Dienstweg ist häufig im Schulamt Frankfurt Schluss. Die Bewerber werden auf eine Warteliste gesetzt und würden bei freiwerdenden Leerstellen informiert. Dann sollen sie – so das Schulamt - die Bewerbungsunterlagen erneut (gegebenenfalls aktualisert) beim Schulamt einreichen. Bundesweit werden alle Bewerbungsunterlagen, nachdem sie von den untergeordneten Behörden (Schulamt; Kulturministerium) weitergeleitet worden sind, in einer Bewerberdatei gesammelt. D.h. die zuvor bereits an die ZfA geschickte digitale Fassung wird erst dann aktiviert. Die Deutschen Schulen im Ausland übermitteln ihren Bedarf an zu besetzenden Stellen an die ZfA, die dann wiederum Stellenangebote an die dafür in Frage kommenden Kolleginnen und Kollegen schickt. Die Warteliste in Frankfurt spielt keine Rolle. Es sei ein Abstellgleis, so sehen es die betroffenen Kolleginnen und Kollegen. Das Schulamt Frankfurt hingegen verweist auf fehlende Lehrkräfte und die hohe Zahl der aus Frankfurt entsandten Auslandslehrkräfte. Ein Teufelskreis. Denn der Frust ist groß und bringt Lehrkräfte dazu, sich über eine Beurlaubung Zugang zu einer Deutschen Schule im Ausland zu verschaffen. Jedoch nur als OLK, d.h. unter sehr viel schlechteren Bedingungen. Ich habe das Problem mit der Warteliste, die es in keinem anderen Schulamt in Hessen gibt und auch bundesweit ein Novum zu sein scheint, bei Frau Brodowy zur Sprache gebracht. Ein Gespräch mit der Schulamtsleiterin Evelin Spyra ist angedacht.

  1. Veranstaltungen:
    09.-12.11.2022
    Bundesweite AGAL-Tagung in Mariaspring bei Göttingen zum Thema „Nachhaltiges Lernen im PASCH-Netz“, siehe index.php (gew.de)
    15.12.2022
    Fortbildungsseminar bei LEA-Bildung „Im Ausland unterrichten“, Online. Anmeldung unter anmeldung@lea-bildung.de, Tel. 069-97129328

07.-11.03.2023
Kostenlose Busfahrt für GEW-Mitglieder zur didacta23 nach Stuttgart. Die ZfA und fast 80 Deutsche Schulen im Ausland stellen sich vor.

 

Ich wünsche Euch allen einen guten Start ins neue Schuljahr und verbleibe

mit kollegialen Grüßen

Darmstadt, den 04. September 2022

Günther Fecht

AGAL / GEW BV Südhessen

Newsletter 1 - 2022


Mit Beginn des neuen Schulhalbjahres, also dem 1. Feb. 2022 gibt es die Personengruppe Auslandslehrkräfte des GEW -Bezirksverbands Südhessen. Ziel ist es, Kolleginnen und Kollegen über die Entwicklungen im Auslandsschuldienst zu informieren, Hilfe bei der Bewerbung und Unterstützung im Ausland zu leisten.

Die Themen

  1. Ukraine – Hilfsangebote für ukrainische Lehrkräfte
  2. Deutsche Schule Kiew
  3. Deutsche Schule Moskau
  4. Corona-Sonderzahlung
  5. Deutsche Schule Athen und Nachzahlungen für Auslandslehrkräfte
  6. Didacta 2022 - Deutsche Schulen stellen sich vor
  7. Im Ausland unterrichten - Lea

 

Die Corona-Pandemie und der völkerrechtswidrige Überfall Russlands auf die Ukraine zeigen deutlich, dass es eine Normalität, an die wir uns in Nordamerika und Europa schon wie selbstverständlich gewöhnt hatten, nicht gibt. Auslandslehrkräfte nehmen ihr Heimatland im Laufe ihres Aufenthalts im Ausland mit anderen Augen wahr, gilt es doch, an ihrem Zielort einen neuen Alltag zu organisieren.  

Ukraine – Hilfsangebote für ukrainische Lehrkräfte

Am 24.02.2022 änderte sich schlagartig Vieles. Wladimir Putin gab den Befehl, die Ukraine zu überfallen. Ein Schock. Seitdem herrscht Krieg. Das russische Militär konzentriert seine Angriffe, vor allem aus der Luft, auf die  kritische Infrastruktur. Supermärkte, Ölraffinerien, Wasserwerke und Wohnhäuser werden nicht zufällig getroffen, sondern gezielt, um der Bevölkerung das Leben zur Hölle zu machen. Nahezu 3,7 Millionen Ukrainer:innen sind schon ins Ausland geflohen. Der Bezirksverband der GEW Südhessen hat eine Hilfsaktion für ukrainische Lehrkräfte beschlossen. Anfang März ist dazu eine Rundmail verschickt worden, um Kolleg:innen zu bitten, Unterkünfte bereitzustellen. Angefügt war der mir vorher zugegangene Aufruf des Schulleiters der DS Kiew zur Unterstützung der geflüchteten ukrainischen Lehrkräfte. Viele Hilfswillige stellten Unterkünfte zur Verfügung. Die Angebote wurden gesammelt und über die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) an Schulleiter Gerald Miebs weitergeleitet. Herzlichen Dank.

Deutsche Schule Kiew

Bereits zehn Tage vor dem Überfall der russischen Streitkräfte informierte Botschafterin Anka Feldhusen die deutschen Lehrkäfte an der DS Kiew (https://deutscheschule.kiev.ua/) in einer eindringlichen Email, dass sie bitte umgehend das Land verlassen sollten. Der Unterricht wurde in den folgenden Tagen digital wieder aufgenommen. Herr Miebs berichtete mir am Telefon, dass die digitalen Strukturen in der Ukraine sehr gut seien. Der Schulbetrieb könne somit weiterlaufen. Außerdem seien noch circa 50 Kinder mit ihren Eltern in Kiew. Die für den Ernstfall an der Schule gehorteten Lebensmittel seien sozialen und kirchlichen Organisationen übergeben worden. Auf meine Frage, wie er sich das nächste Schuljahr vorstelle, antwortete er: „Wir machen weiter“. Nähere Informationen auf: https://www.pz-news.de/weltweit_artikel,-Deutsche-Schule-in-Kiew-macht-weiter-_arid,1685874.html 

Deutsche Schule Moskau

Auch wenn Putin die Verwendung des Wortes „Krieg“ unter Strafe gestellt hat und in seinen gleichgeschalteten Medien nur noch von „Spezialoperationen“ sprechen lässt, so ging die Entwicklung an den Kolleg:innen an der DS Moskau (https://www.deutscheschulemoskau.de) nicht vorbei. Ein Kollege aus Hessen, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet mir nahezu täglich über die Lage in Moskau. Sehr früh schon gab es kein Giralgeld mehr und die Kreditkarten wurden wertlos. Der Run auf die Geldautomaten setzte ein, die Preise stiegen. Ferner mailte er mir, dass die amerikanische und die französische Schule ihren Schulbetrieb eingestellt haben. Auf Nachfrage teilte mir der Leiter des Kulturreferats der deutschen Botschaft in Moskau am 28.02. mit, dass es erste „Erschwernisse“ gebe. Weiter schrieb er: „Wir haben es hier sicher – bisher jedenfalls“, und das werde sich wohl auch nicht ändern. Ein paar Tage später fragte ich mit Hinweis auf die Schließung der amerikanische und der französischen Schule bei der ZfA in Bonn nach. Die Lage sei – so die Antwort des Amts - natürlich „volatil, aber die Lehrkräfte in Russland verfügen – anders als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern – über einen geschützten Status, der sich aus dem Status der Schulen als Botschaftsschulen herleitet. Solange die derzeitige Krisenstufe (2a) durch das Auswärtige Amt nicht angehoben wird, gehen wir weiterhin von einer sicheren Lage für die vermittelten Lehrkräfte aus.“

Besonders Lehrkräfte mit Kindern werden zunehmend nervöser, da es seit einiger Zeit schon keine Direktflüge in die EU mehr gebe. Bis zum Sommer müssten sie durchhalten, so der hessische Kollege, dann seien sie über die Ferien in Deutschland und könnten sich dort mit Bargeld versorgen. Bis zu 10.000 Euro dürfe man einführen, was aber nicht unbedingt für ein Jahr reiche. Es bleibe abzuwarten, wie viele Kolleg:innen in Moskau blieben, wie viele neu angeworben würden und natürlich, wie sich die Schülerzahlen entwickeln, so die Überlegungen des Kollegen vor Ort.

Corona-Sonderzahlung

Corona tritt gegenwärtig zwar etwas in den Hintergrund, aber dennoch waren die zurückliegenden beiden Jahre mit ungezählten Tests, einigen Lockdowns, FFP2-Masken und digitalem Unterricht alles andere als einfach. Für Auslandslehrkräfte waren die Bedingungen an ihren Zielorten zum Teil äußerst schwierig. In Hessen erhielten die Lehrkräfte an staatlichen Schulen eine Corona-Sonderzahlung in Höhe von 1.000 Euro. Auslandslehrkräfte kamen jedoch nicht in den Genuss dieser Sonderzahlung. Grund: Die Deutschen Schulen im Ausland sind nicht in staatlicher Trägerschaft. Sie werden zu knapp 70 Prozent aus Mitteln der Elternvereine vor Ort finanziert, die damit als Schulträger fungieren. Der Bund deckt durch die Anwerbung bzw. Abordnung deutscher Lehrkräfte aus den Bundesländern die restlichen 30 Prozent der Kosten ab. Kurz: Schule ist Ländersache. Auch in Hessen haben nur die aktiv im Landesdienst und an staatlichen Schulen beschäftigten Lehrkräfte die Corona-Zahlung erhalten. Lehrkräfte an Waldorfschulen oder andern Schulen in freier Trägerschaft gingen somit auch in Hessen leer aus, erläuterte mir Rüdiger Bröhling (GEW-Referent für Tarif und Besoldung).

Deutsche Schule Athen - Nachzahlungen für Auslandslehrkräfte

Anfang März erhielt ich eine Anfrage eines Kollegen der DS Athen , der sich darüber beklagte, dass mit Beginn des Schuljahres die Schulortstufe von 5 auf 4 herabgesetzt worden sei. Die Beschäftigten der deutschen Botschaft in Athen dagegen und auch die Beschäftigten an der DS Thessaloniki erhielten aber weiterhin die höheren monatlichen Zuschläge der Schulortstufe 5. Auf Nachfrage teilte mir die ZfA dazu folgendes mit: „Bezüglich Ihrer Frage nach der Schulortstufe in Athen kann ich Ihnen folgendes mitteilen: Im Juli 2021 teilte uns das Auswärtige Amt die voraussichtlichen Schulortstufen mit, die im Falle der Genehmigung der zuständigen Ressorts rückwirkend zum 01.07.2021 in Kraft treten sollten. Aufgrund der technischen langen Vorlaufzeiten und auch aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre haben wir entschieden, diese Änderungen zeitnah umzusetzen und nicht die Genehmigung abzuwarten. Dadurch sollten hohe Rückforderungen vermieden werden, die bei der letzten Schulortstufenänderung angefallen waren und für großen Unmut gesorgt hatten. Im Gegensatz dazu setzte das Auswärtige Amt die Änderungen noch unmittelbar um. Im Januar entschied das Auswärtige Amt wider Erwarten, dass aufgrund der sehr späten Zustimmung der Ressorts die Änderungen ausnahmsweise erst im Februar 2022 wirksam werden. Natürlich haben wir diese Regelung dann übernommen, damit es nicht zu einer Ungleichbehandlung zwischen Beschäftigten des AA und den vermittelten Lehrkräften kommt. Dies bedeutet auch, dass es für die betroffenen Lehrkräfte eine Nachzahlung für den Zeitraum vom 01.07.2021 bis zum 31.01.2022 geben wird.

Die Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK) der DS Athen können sich freuen, Bundesprogrammlehrkräfte (BPLK) erhalten weiterhin nur die Stufe 1 und Ortslehrkräfte (OLK) gar nichts. Letztere sind der ZfA nicht bekannt, da sie vom Land beurlaubt werden, also auch kein Zuschlag.

Die Höhe der Schulortstufen für im Ausland beschäftigte Beamtinnen und Beamte sowie Angestellte ermittelt ein privates Unternehmen namens Mercer. Im Auftrag des Auswärtigen Amts legen sie nach festgelegten Kriterien (Warenkorb, Inflationsrate, Attraktivität u.a.) die jeweilige Stufe aus einer Skala von 1 bis 20 jährlich fest.

Didacta 2022 - Deutsche Schulen stellen sich vor

In diesem Jahr soll die Didacta endlich wieder stattfinden. Auf der letzten Didacta vor Corona, 2019 in Köln, haben sich 70 Deutsche Schulen im Ausland mit eigenen Ständen vorgestellt. Die ZfA mietet in der Regel die einzelnen Standplätze für die Schulen. Schulleitungen dekorieren ihre Stände, beraten interessierte Lehrkräfte und schließen sogar unverbindliche Vorverträge mit ihnen ab.

Die diesjährige Didacta findet in der Zeit vom 7. – 11. Juni 2022 wieder in Köln statt.

Der Bezirksverband Südhessen bietet seinen Mitgliedern die Möglichkeit eines kostenlosen Busangebots direkt vor die Tore der Messehalle und zurück. Auch Nicht-Mitglieder der GEW können sich anmelden. Näheres siehe Homepage der GEW Südhessen.

Termine

06.04.22          Beratung und Betreuung im GEW-Büro Darmstadt. Bitte Termine vereinbaren.

09.06.22          Didacta-Fahrt nach Köln. 14:00 Uhr - Treff für Interessierte am Stand der ZfA.

22.06.22          Lea-Fortbildung „Im Ausland unterrichten“ in Frankfurt. Anmeldung über www.lea-bildung.de

 

Themen im nächsten AGAL-Insider

  • Beförderungen nach A14 im Ausland
  • Kindergeld
  • Schwangerschaft

 

Ich wünsche Euch allen schöne Osterferien und verbleibe

mit kollegialen Grüßen

Darmstadt, den 29. März 2022

Günther Fecht

AGAL / GEW BV Südhessen

Kreisübergreifendes Projekt des BV Südhessen Beratung und Betreuung von Antragsteller*innen, die im Auslandsschuldienst tätig sind, waren und werden wollen.

Zur Person

Günther Fecht, Kinzig-Schule, Schlüchtern, GEW-Mitglied seit 1984.
Studium der Fächer Deutsch, Englisch und Politik an der Philipps-Universität Marburg einschließlich eines Auslandsjahres an der University of Kent at Canterbury (1984-1990). Referendariat am Studienseminar 1 in Frankfurt am Main, Gesamtschule Am Ried, Bergen-Enkheim. Einstellung an den Beruflichen Schulen in Gelnhausen (1992-2002), in dieser Zeit Landesverbindungslehrer der LSV (1994-2002) sowie Koordinator des German American Partnership Program mit New York State (1998-2002). Danach 4 Jahre Auslandsschuldienst an dem ungarisch-deutschen Wirtschaftsgymnasium in Pilisvörösvár bei Budapest. Seit 2006 Lehrer an der Kinzig-Schule in Schlüchtern. Mitglied in der GEW-bundesunmittelbaren AG Auslandslehrkräfte (AGAL), 2014-2021 Bundesvorsitzender der AGAL.

Zum Projekt
Es gibt eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen, die davon träumen, ihren Arbeitsplatz Schule durch eine Auslandstätigkeit an einer der 140 Deutschen Schulen im Ausland oder auch an nationalen Schulen im Rahmen des Landesentsendeprogramms zu bereichern. Das Hessische Kultusministerium fördert diese Auslandseinsätze, die Bewerbung auf dem Dienstweg ist klar geregelt. Die Probleme beginnen bei der abgebenden Schule und den Staatlichen Schulämtern: Wer läßt schon gerne eine engagierte Lehrkraft ziehen?

Weitere Themen
Beförderung im Ausland, Kontakte, Gehalt, Pension, Zuschüsse, Rechte und Pflichten, Schwangerschaft, Kinder, Rückkehr in den Inlandsschuldienst u.v.m.
Neben seinen Seminaren bei lea, mit dem Thema: „Im Ausland unterrichten“, bietet Kollege Günther Fecht in unserer Geschäftsstelle einen Gesprächskreis an. Dazu bitte rechtzeitig anmelden unter: Tel.: +49 151 7440 2015 oder +49 6151 22311, E-Mail: bezirk@gew-suedhessen.de,

Termine
immer mittwochs, jeweils von 15:00 bis 18:00 Uhr
16. März 2022
06. April 2022
04. Mai 2022
01. Juni 2022
06. Juli 2022
07. + 21. September 2022
05. Oktober 2022
02. November 2022
07. Dezember 2022

lea: „Im Ausland unterrichten“
24. Februar 2022 – online
22. Juni 2022 – Frankfurt am Main
15. Dezember 2022 – online
Anmeldung:
www.lea-bildung.de
Tel.: +49 69 971293-27