Newsletter 1 - 2022


Mit Beginn des neuen Schulhalbjahres, also dem 1. Feb. 2022 gibt es die Personengruppe Auslandslehrkräfte des GEW -Bezirksverbands Südhessen. Ziel ist es, Kolleginnen und Kollegen über die Entwicklungen im Auslandsschuldienst zu informieren, Hilfe bei der Bewerbung und Unterstützung im Ausland zu leisten.

Die Themen

  1. Ukraine – Hilfsangebote für ukrainische Lehrkräfte
  2. Deutsche Schule Kiew
  3. Deutsche Schule Moskau
  4. Corona-Sonderzahlung
  5. Deutsche Schule Athen und Nachzahlungen für Auslandslehrkräfte
  6. Didacta 2022 - Deutsche Schulen stellen sich vor
  7. Im Ausland unterrichten - Lea

 

Die Corona-Pandemie und der völkerrechtswidrige Überfall Russlands auf die Ukraine zeigen deutlich, dass es eine Normalität, an die wir uns in Nordamerika und Europa schon wie selbstverständlich gewöhnt hatten, nicht gibt. Auslandslehrkräfte nehmen ihr Heimatland im Laufe ihres Aufenthalts im Ausland mit anderen Augen wahr, gilt es doch, an ihrem Zielort einen neuen Alltag zu organisieren.  

Ukraine – Hilfsangebote für ukrainische Lehrkräfte

Am 24.02.2022 änderte sich schlagartig Vieles. Wladimir Putin gab den Befehl, die Ukraine zu überfallen. Ein Schock. Seitdem herrscht Krieg. Das russische Militär konzentriert seine Angriffe, vor allem aus der Luft, auf die  kritische Infrastruktur. Supermärkte, Ölraffinerien, Wasserwerke und Wohnhäuser werden nicht zufällig getroffen, sondern gezielt, um der Bevölkerung das Leben zur Hölle zu machen. Nahezu 3,7 Millionen Ukrainer:innen sind schon ins Ausland geflohen. Der Bezirksverband der GEW Südhessen hat eine Hilfsaktion für ukrainische Lehrkräfte beschlossen. Anfang März ist dazu eine Rundmail verschickt worden, um Kolleg:innen zu bitten, Unterkünfte bereitzustellen. Angefügt war der mir vorher zugegangene Aufruf des Schulleiters der DS Kiew zur Unterstützung der geflüchteten ukrainischen Lehrkräfte. Viele Hilfswillige stellten Unterkünfte zur Verfügung. Die Angebote wurden gesammelt und über die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) an Schulleiter Gerald Miebs weitergeleitet. Herzlichen Dank.

Deutsche Schule Kiew

Bereits zehn Tage vor dem Überfall der russischen Streitkräfte informierte Botschafterin Anka Feldhusen die deutschen Lehrkäfte an der DS Kiew (https://deutscheschule.kiev.ua/) in einer eindringlichen Email, dass sie bitte umgehend das Land verlassen sollten. Der Unterricht wurde in den folgenden Tagen digital wieder aufgenommen. Herr Miebs berichtete mir am Telefon, dass die digitalen Strukturen in der Ukraine sehr gut seien. Der Schulbetrieb könne somit weiterlaufen. Außerdem seien noch circa 50 Kinder mit ihren Eltern in Kiew. Die für den Ernstfall an der Schule gehorteten Lebensmittel seien sozialen und kirchlichen Organisationen übergeben worden. Auf meine Frage, wie er sich das nächste Schuljahr vorstelle, antwortete er: „Wir machen weiter“. Nähere Informationen auf: https://www.pz-news.de/weltweit_artikel,-Deutsche-Schule-in-Kiew-macht-weiter-_arid,1685874.html 

Deutsche Schule Moskau

Auch wenn Putin die Verwendung des Wortes „Krieg“ unter Strafe gestellt hat und in seinen gleichgeschalteten Medien nur noch von „Spezialoperationen“ sprechen lässt, so ging die Entwicklung an den Kolleg:innen an der DS Moskau (https://www.deutscheschulemoskau.de) nicht vorbei. Ein Kollege aus Hessen, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet mir nahezu täglich über die Lage in Moskau. Sehr früh schon gab es kein Giralgeld mehr und die Kreditkarten wurden wertlos. Der Run auf die Geldautomaten setzte ein, die Preise stiegen. Ferner mailte er mir, dass die amerikanische und die französische Schule ihren Schulbetrieb eingestellt haben. Auf Nachfrage teilte mir der Leiter des Kulturreferats der deutschen Botschaft in Moskau am 28.02. mit, dass es erste „Erschwernisse“ gebe. Weiter schrieb er: „Wir haben es hier sicher – bisher jedenfalls“, und das werde sich wohl auch nicht ändern. Ein paar Tage später fragte ich mit Hinweis auf die Schließung der amerikanische und der französischen Schule bei der ZfA in Bonn nach. Die Lage sei – so die Antwort des Amts - natürlich „volatil, aber die Lehrkräfte in Russland verfügen – anders als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern – über einen geschützten Status, der sich aus dem Status der Schulen als Botschaftsschulen herleitet. Solange die derzeitige Krisenstufe (2a) durch das Auswärtige Amt nicht angehoben wird, gehen wir weiterhin von einer sicheren Lage für die vermittelten Lehrkräfte aus.“

Besonders Lehrkräfte mit Kindern werden zunehmend nervöser, da es seit einiger Zeit schon keine Direktflüge in die EU mehr gebe. Bis zum Sommer müssten sie durchhalten, so der hessische Kollege, dann seien sie über die Ferien in Deutschland und könnten sich dort mit Bargeld versorgen. Bis zu 10.000 Euro dürfe man einführen, was aber nicht unbedingt für ein Jahr reiche. Es bleibe abzuwarten, wie viele Kolleg:innen in Moskau blieben, wie viele neu angeworben würden und natürlich, wie sich die Schülerzahlen entwickeln, so die Überlegungen des Kollegen vor Ort.

Corona-Sonderzahlung

Corona tritt gegenwärtig zwar etwas in den Hintergrund, aber dennoch waren die zurückliegenden beiden Jahre mit ungezählten Tests, einigen Lockdowns, FFP2-Masken und digitalem Unterricht alles andere als einfach. Für Auslandslehrkräfte waren die Bedingungen an ihren Zielorten zum Teil äußerst schwierig. In Hessen erhielten die Lehrkräfte an staatlichen Schulen eine Corona-Sonderzahlung in Höhe von 1.000 Euro. Auslandslehrkräfte kamen jedoch nicht in den Genuss dieser Sonderzahlung. Grund: Die Deutschen Schulen im Ausland sind nicht in staatlicher Trägerschaft. Sie werden zu knapp 70 Prozent aus Mitteln der Elternvereine vor Ort finanziert, die damit als Schulträger fungieren. Der Bund deckt durch die Anwerbung bzw. Abordnung deutscher Lehrkräfte aus den Bundesländern die restlichen 30 Prozent der Kosten ab. Kurz: Schule ist Ländersache. Auch in Hessen haben nur die aktiv im Landesdienst und an staatlichen Schulen beschäftigten Lehrkräfte die Corona-Zahlung erhalten. Lehrkräfte an Waldorfschulen oder andern Schulen in freier Trägerschaft gingen somit auch in Hessen leer aus, erläuterte mir Rüdiger Bröhling (GEW-Referent für Tarif und Besoldung).

Deutsche Schule Athen - Nachzahlungen für Auslandslehrkräfte

Anfang März erhielt ich eine Anfrage eines Kollegen der DS Athen , der sich darüber beklagte, dass mit Beginn des Schuljahres die Schulortstufe von 5 auf 4 herabgesetzt worden sei. Die Beschäftigten der deutschen Botschaft in Athen dagegen und auch die Beschäftigten an der DS Thessaloniki erhielten aber weiterhin die höheren monatlichen Zuschläge der Schulortstufe 5. Auf Nachfrage teilte mir die ZfA dazu folgendes mit: „Bezüglich Ihrer Frage nach der Schulortstufe in Athen kann ich Ihnen folgendes mitteilen: Im Juli 2021 teilte uns das Auswärtige Amt die voraussichtlichen Schulortstufen mit, die im Falle der Genehmigung der zuständigen Ressorts rückwirkend zum 01.07.2021 in Kraft treten sollten. Aufgrund der technischen langen Vorlaufzeiten und auch aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre haben wir entschieden, diese Änderungen zeitnah umzusetzen und nicht die Genehmigung abzuwarten. Dadurch sollten hohe Rückforderungen vermieden werden, die bei der letzten Schulortstufenänderung angefallen waren und für großen Unmut gesorgt hatten. Im Gegensatz dazu setzte das Auswärtige Amt die Änderungen noch unmittelbar um. Im Januar entschied das Auswärtige Amt wider Erwarten, dass aufgrund der sehr späten Zustimmung der Ressorts die Änderungen ausnahmsweise erst im Februar 2022 wirksam werden. Natürlich haben wir diese Regelung dann übernommen, damit es nicht zu einer Ungleichbehandlung zwischen Beschäftigten des AA und den vermittelten Lehrkräften kommt. Dies bedeutet auch, dass es für die betroffenen Lehrkräfte eine Nachzahlung für den Zeitraum vom 01.07.2021 bis zum 31.01.2022 geben wird.

Die Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK) der DS Athen können sich freuen, Bundesprogrammlehrkräfte (BPLK) erhalten weiterhin nur die Stufe 1 und Ortslehrkräfte (OLK) gar nichts. Letztere sind der ZfA nicht bekannt, da sie vom Land beurlaubt werden, also auch kein Zuschlag.

Die Höhe der Schulortstufen für im Ausland beschäftigte Beamtinnen und Beamte sowie Angestellte ermittelt ein privates Unternehmen namens Mercer. Im Auftrag des Auswärtigen Amts legen sie nach festgelegten Kriterien (Warenkorb, Inflationsrate, Attraktivität u.a.) die jeweilige Stufe aus einer Skala von 1 bis 20 jährlich fest.

Didacta 2022 - Deutsche Schulen stellen sich vor

In diesem Jahr soll die Didacta endlich wieder stattfinden. Auf der letzten Didacta vor Corona, 2019 in Köln, haben sich 70 Deutsche Schulen im Ausland mit eigenen Ständen vorgestellt. Die ZfA mietet in der Regel die einzelnen Standplätze für die Schulen. Schulleitungen dekorieren ihre Stände, beraten interessierte Lehrkräfte und schließen sogar unverbindliche Vorverträge mit ihnen ab.

Die diesjährige Didacta findet in der Zeit vom 7. – 11. Juni 2022 wieder in Köln statt.

Der Bezirksverband Südhessen bietet seinen Mitgliedern die Möglichkeit eines kostenlosen Busangebots direkt vor die Tore der Messehalle und zurück. Auch Nicht-Mitglieder der GEW können sich anmelden. Näheres siehe Homepage der GEW Südhessen.

Termine

06.04.22          Beratung und Betreuung im GEW-Büro Darmstadt. Bitte Termine vereinbaren.

09.06.22          Didacta-Fahrt nach Köln. 14:00 Uhr - Treff für Interessierte am Stand der ZfA.

22.06.22          Lea-Fortbildung „Im Ausland unterrichten“ in Frankfurt. Anmeldung über www.lea-bildung.de

 

Themen im nächsten AGAL-Insider

  • Beförderungen nach A14 im Ausland
  • Kindergeld
  • Schwangerschaft

 

Ich wünsche Euch allen schöne Osterferien und verbleibe

mit kollegialen Grüßen

Darmstadt, den 29. März 2022

Günther Fecht

AGAL / GEW BV Südhessen

Kreisübergreifendes Projekt des BV Südhessen Beratung und Betreuung von Antragsteller*innen, die im Auslandsschuldienst tätig sind, waren und werden wollen.

Zur Person

Günther Fecht, Kinzig-Schule, Schlüchtern, GEW-Mitglied seit 1984.
Studium der Fächer Deutsch, Englisch und Politik an der Philipps-Universität Marburg einschließlich eines Auslandsjahres an der University of Kent at Canterbury (1984-1990). Referendariat am Studienseminar 1 in Frankfurt am Main, Gesamtschule Am Ried, Bergen-Enkheim. Einstellung an den Beruflichen Schulen in Gelnhausen (1992-2002), in dieser Zeit Landesverbindungslehrer der LSV (1994-2002) sowie Koordinator des German American Partnership Program mit New York State (1998-2002). Danach 4 Jahre Auslandsschuldienst an dem ungarisch-deutschen Wirtschaftsgymnasium in Pilisvörösvár bei Budapest. Seit 2006 Lehrer an der Kinzig-Schule in Schlüchtern. Mitglied in der GEW-bundesunmittelbaren AG Auslandslehrkräfte (AGAL), 2014-2021 Bundesvorsitzender der AGAL.

Zum Projekt
Es gibt eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen, die davon träumen, ihren Arbeitsplatz Schule durch eine Auslandstätigkeit an einer der 140 Deutschen Schulen im Ausland oder auch an nationalen Schulen im Rahmen des Landesentsendeprogramms zu bereichern. Das Hessische Kultusministerium fördert diese Auslandseinsätze, die Bewerbung auf dem Dienstweg ist klar geregelt. Die Probleme beginnen bei der abgebenden Schule und den Staatlichen Schulämtern: Wer läßt schon gerne eine engagierte Lehrkraft ziehen?

Weitere Themen
Beförderung im Ausland, Kontakte, Gehalt, Pension, Zuschüsse, Rechte und Pflichten, Schwangerschaft, Kinder, Rückkehr in den Inlandsschuldienst u.v.m.
Neben seinen Seminaren bei lea, mit dem Thema: „Im Ausland unterrichten“, bietet Kollege Günther Fecht in unserer Geschäftsstelle einen Gesprächskreis an. Dazu bitte rechtzeitig anmelden unter: Tel.: +49 151 7440 2015 oder +49 6151 22311, E-Mail: bezirk@gew-suedhessen.de,

Termine
immer mittwochs, jeweils von 15:00 bis 18:00 Uhr
16. März 2022
06. April 2022
04. Mai 2022
01. Juni 2022
06. Juli 2022
07. + 21. September 2022
05. Oktober 2022
02. November 2022
07. Dezember 2022

lea: „Im Ausland unterrichten“
24. Februar 2022 – online
22. Juni 2022 – Frankfurt am Main
15. Dezember 2022 – online
Anmeldung:
www.lea-bildung.de
Tel.: +49 69 971293-27